Toolbox

Zusammenfassung in einfacher Sprache

In der Toolbox gibt es besondere Werkzeuge. Sie helfen bei Problemen. Sie nutzen neue Methoden für Beratung. Hier geht es um ein Spiel. Nach und nach kommen mehr Werkzeuge dazu.

Beratungsparcours

Jugendliche lernen Beratungsangebote spielerisch kennen

Der Beratungsparcours – auch Beratungsrundlauf genannt – ist ein Planspiel für Jugendliche. Dieses Angebot zeigt jungen Menschen, wo sie bei der Bewältigung möglicher Probleme und ihrer Folgen Unterstützung finden können. Zum Beispiel bei Suchtverhalten, Schulden, Ausgrenzung oder Schulvermeidung. Der Beratungsparcours ist also eine Form der Prävention. Er hilft Jugendlichen, sich auf eventuelle Herausforderungen vorzubereiten und zu wissen, an wen sie sich in kritischen Situationen wenden können. Die Jugendlichen erhalten wichtige Informationen auf eine interaktive und realitätsnahe Art und bauen potenzielle Hemmschwellen ab. So können sie in Zukunft besser auf eigene Probleme oder die ihrer Freunde reagieren. 

Der Beratungsparcours findet in Schulen statt, ist aber auch in anderen Umgebungen möglich. Arbeitshilfen für die Organisation, Durchführung und ein Adressenpool sind vorhanden.

  • Jugendliche lernen die Angebote und wichtige Merkmale örtlicher Beratungsstellen kennen, die bei jugendspezifischen Problemen helfen.
  • Sie erproben Hilfs- und Unterstützungsangebote für verschiedene Lebenssituationen, um sie zukünftig in Anspruch zu nehmen.
  • Die Bewältigung von Problemen wird spielerisch geübt. Es ist einfacher, über fiktive Probleme zu sprechen als über eigene.
  • Schüler*innen erfassen rechtliche und institutionelle Aspekte im Zusammenhang mit den gespielten Rollen.
  • Der Beratungsparcours fördert die Vernetzung zwischen Schulen und Beratungsinstitutionen.

Der Beratungsparcours ist besonders relevant für Jugendliche ab 14 Jahren – ein Alter, in dem viele spezifische Angebote für Jugendliche beginnen. In dieser Phase treten oft neue Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben auf, die professionelle Unterstützung erfordern könnten.

Der Kreis der Nutzenden lässt sich erweitern. Neben Schüler*innen könnten auch folgende Gruppen vom Beratungsparcours profitieren:

  • Lehrkräfte können besser über verfügbare Unterstützungsangebote informiert sein und Schüler*innen gezielter beraten.
  • Eltern können Informationen zu Erziehungsfragen und Unterstützungsmöglichkeiten erhalten.
  • Schulsozialarbeiter*innen können ihr Netzwerk erweitern und ihre Kenntnisse über lokale Beratungsangebote vertiefen.

Eine Erweiterung kann die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und Beratungsinstitutionen verbessern und so ein umfassenderes Unterstützungsnetzwerk für Jugendliche schaffen.

  • Im Rahmen eines Projekttags werden verschiedene Beratungseinrichtungen in die Schule eingeladen.
  • Schüler*innen werden in Gruppen von 6 bis 8 Personen aufgeteilt, wahlweise getrennt nach Geschlecht.
  • Jede Gruppe erhält vier verschiedene Rollen mit spezifischen Problemen.
  • Die Schüler*innen spielen fiktive Jugendliche mit ihren Problemen (Problemträger, Freund*in des ­Problemträgers, Eltern des Problemträgers, usw.)
  • Sie besuchen vier (oder mehr) verschiedene Beratungseinrichtungen.
  • Echte Mitarbeiter*innen der Institutionen beraten die Schüler*innen möglichst realistisch.

Es gibt verschiedene erprobte Varianten des Beratungsparcours, die an die Bedingungen der ­jeweiligen Schule angepasst werden können:

Beispiel 1: Bedarfsorientierte Auswahl

Die Schüler*innen werden vorab nach ihren Bedürfnissen befragt. Nur relevante Beratungsinstitutionen werden eingeladen.

Beispiel 2: Informatives Klassenformat

Ganze Klassen treffen auf eine Beratungsinstitution. Vorteil: man erreicht viele Schüler gleichzeitig. Nachteil: es gibt weniger direkten Kontakt zu den Beratungsstellen.

Beispiel 3: Geloste Kleingruppen

Gruppen von 6 bis 8 Personen aus einem Jahrgang werden eingeteilt nach Kriterien wie ­ Geschlecht, Klasse oder Interessen. Die Gruppen bleiben vormittags zusammen und besuchen ­ausgewählte Beratungsinstitutionen mit Laufzettel.

  • Ein Beratungsrundlauf dauert 5 bis 6 Stunden, entspricht also einem Schulvormittag.
  • Jede Beratungsinstitution benötigt einen eigenen Raum.
    Empfehlung: ein Jahrgangsflur plus zusätzliche Nebenräume.
  • Die Vor- und Nachbereitung benötigt etwa ein halbes Jahr für eine Person

Eine sorgfältige Planung und Organisation ist entscheidend für den Erfolg des Beratungsparcours. Sie gewährleistet, dass alle beteiligten Parteien – Schüler*innen, Lehrkräfte und Beratungsinstitutionen – optimal vorbereitet sind und das Planspiel reibungslos ablaufen kann.

Integration in den Schulkalender

Der Parcours muss frühzeitig in den Terminplan eingebunden werden.

Empfehlung:
ein Vorlauf von anderthalb Jahren ist notwendig, um alle organisatorischen Aspekte zu berücksichtigen:

  • Koordination aller Klassen eines Jahrgangs
  • Raumplanung
  • Abstimmung mit Klassenlehrer*innen und klasseninternen Terminen
  • Berücksichtigung schulischer Aktivitäten und übergeordneter Verbindungen

Kontaktpflege

Für den Erfolg des Beratungsparcours ist eine kontinuierliche Kontaktpflege essenziell.
Diese umfasst:

  • den Jahrgang und die Klassen
  • Klassenlehrer*innen
  • die vielfältigen Beratungsinstitutionen

Verantwortlichkeit

Eine Person sollte die Hauptverantwortung übernehmen. Geeignete Rollen sind:

  • Schulsozialarbeit
  • Beratungslehrkraft
  • eine engagierte Lehrkraft

Die bisherigen Projekte zeigen, dass eine Person für die Organisation ausreichend ist. In größeren Schulen kann jedoch die Unterstützung durch eine zweite Person sinnvoll sein, um die komplexen Anforderungen effizient zu bewältigen.

Außerschulische Institutionen spielen eine zentrale Rolle bei der Beratung der Jugendlichen.

Sie haben folgende Aufgaben:

  • möglichst realitätsnahe, umfassende und authentische Beratung zu den spezifischen
    Problemen der fiktiven Personen – wie in der Praxis üblich
  • Vermittlung von Informationen über die Institution und ihrer Hilfs- und Unterstützungsangebote
  • Aufklärung über rechtliche und institutionelle Aspekte
  • Beantwortung von Fragen, auch über das eigene Angebot hinaus
  • Weitervermittlung an die nächste Beratungsinstitution mittels Laufzettel

Die relevanten Beratungsinhalte ergeben sich aus dem Lebensumfeld der Schüler*innen, hier beispielhaft:

  • Berufsberatungsstellen
  • Psychologische Beratungsstellen
  • Soziale Beratungsstellen
  • Bildungsberatungsstellen
  • Suchtberatungsstellen
  • Familienberatungsstellen
  • Jugendberatungsstellen
  • Migrationsberatungsstellen
  • Schuldnerberatungsstellen
  • Rechtsberatungsstellen

Die folgenden Beratungsinstitutionen haben an bereits durchgeführten Planspielen zur Beratung in Hannover teilgenommen (soweit bekannt):

  • Amanda e.V. (Anlaufstelle bei Essstörungen)
  • Anstoß e.V., Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Jungen
  • Beratungsstelle Osterstraße (Lesbenberatung)
  • Beratungsstelle Osterstraße (Schwulenberatung)
  • Ev. Beratungszentrum
  • Jugendberatung Hinterhaus
  • Jugend-Familien-Erziehungsberatung
  • Jugendgerichtshilfe
  • Jugend-KOB Polizei, Kriminalprävention
  • Kobra e.V. (Beratungsstelle bei Zwangsheirat)
  • Kommunaler Sozialdienst (KSD)
  • Mädchenhaus
  • Mannigfaltig e.V.
  • Neues Land, Suchtberatungsstelle
  • Neues Land/ RETURN, Fachberatung bei exzessivem Medienkonsum
  • Phoenix, Beratungsstelle für Prostituierte
  • Prisma, Suchtberatungsstelle
  • Pro Familia
  • Schuldnerberatung
  • Violetta e.V., Beratungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen

Sehr wertvoll sind Gespräche mit Personen, die in ihrer Schule bereits einen Beratungsparcours durchgeführt haben. Im Schuljahr 2023/24 sind dem Bildungsbüro fünf hannoversche Schulen und zwei Regionsschulen bekannt.

Den Kontakt stellt der Bildungskoordinator gerne her:
Telefon 0511 / 168 33554.

Frau Dr. Heinrichs vom Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover kann aus einer langjährigen Praxis berichten:
Telefon 0511 / 168 447 43

Auch die Schulsozialarbeit der IGS Leonore Goldschmidt steht für Anfragen zur Verfügung:

ebenso die IGS Langenhagen:

und die Glockseeschule:

Weitere Links:

Jugendschutz Niedersachsen, Planspiele in der Prävention mit Jugendlichen, 2013